12/02/2026
Fast nichts nervt mich im Moment mehr als die Behauptung, die Fahrausbildung ist zu teuer und muss auf Teufel komm raus billiger werden. Gleichzeitig beklagen viele Fahrschulen wegen des sog. „Schnieder-Effekts“ Umsatzeinbußen von bis zu 70 %, weil potenzielle Fahrschüler von einer Anmeldung bei einer Fahrschule absehen und erst mal abwarten wollen, bis die Kosten der Ausbildung billiger geworden sind.
Was erdreistet sich eigentlich Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, seine Forderung bar jeglicher Faktenkenntnis aufzustellen? Wird etwa nach den Gründen für Preissteigerungen gefragt? Müssen Einkäufe und andere Dienstleistungen zukünftig auf Ministergeheiß auch billiger werden? Leben wir eigentlich in einer freien Marktwirtschaft, in der Unternehmen ihre Preise frei kalkulieren oder in einer Gesellschaft mit einer staatlich festgelegten Gebührenordnung? Und warum sollen denn gerade die Fahrschulen ihre Dienstleistungen billiger verkaufen? Müssen sich Fahrschulen für ihre Preisgestaltung in der Öffentlichkeit rechtfertigen? Nein, das müssen sie nicht. Und doch tue ich das hiermit.
Wie sind nun die Fakten? Laut MOVING-Branchenreport kostete eine Pkw-Fahrausbildung 2025 im Durchschnitt € 3.228. Das sind 28 % mehr als noch 2022. Gleichzeitig stieg der Verbraucherpreisindex von 2020 bis 2024 um 19,3 %; der für Fahrschulen vor allen Dingen relevante Index mit dem Schwerpunkt Verkehr (Kauf von Fahrzeugen, Waren und Dienstleistungen für Fahrzeuge, Kraft- und Schmierstoffe für Fahrzeuge, andere Dienstleistungen für Fahrzeuge) im genannten Zeitraum sogar um 24,8 %. Von 2018 bis 2024 stiegen die Fahrzeugkosten um sage und schreibe 35 %. Und die Personalkosten sogar um 58 %. Diese Kostensteigerungen belasten die Fahrschulen erheblich und müssen natürlich an die Kunden weitergegeben werden.
Übrigens, wenn man die oben erwähnten durchschnittlichen Kosten der Fahrausbildung der Klasse B in Höhe von € 3.228 in Bezug setzt zur Lebenserwartung in Deutschland (Frauen: 83,5 Jahre, Männer: 78,9; Gesamtdurchschnitt: 81,2 Jahre) und dann die Kosten in Höhe von
€ 3.228 dividiert durch die durchschnittliche Nutzungsdauer von 63,2 Jahren (81,2 – 18 = 63,2) kommt man auf einen Kostenanteil von € 51,08 pro Jahr!!!
Zum Vergleich: Frauen gehen im Schnitt 6-mal im Jahr zum Friseur und zahlen dafür durchschnittlich € 60 pro Besuch. Das entspricht € 360 im Jahr. Bei Männern kann man von ca. € 280 für den Friseurbesuch im Jahr ausgehen. In 63 Jahren zahlen Frauen somit € 22.680 und Männer € 17.640 für den Haarschnitt.
Hier noch zwei weitere Vergleiche: Vor 20 Jahren entsprachen die Kosten einer Pkw-Fahrausbildung etwa denen von 800 Dönern, heute denen von etwa 400 Dönern. 1996 betrugen die Kosten einer Pkw-Fahrausbildung ca. DM 1.800, der Nettoverdienst eines Azubis etwa DM 600. Somit musste man damals etwa drei Monatslöhne investieren. Wenn man sich etwas anstrengt, kostet der Führerschein heutzutage etwa
€ 3.000. Der Nettoverdienst eines Azubis im selben Job beträgt etwa € 1.000. So gesehen kostet die Fahrausbildung heute noch dasselbe wie in den 90er Jahren. So gut wie alles andere ist im Vergleich heute jedoch deutlich teurer.
Niemand bestreitet, dass für 18-Jährige oder deren Familie die Summe von rund € 3.300 ein Batzen Geld ist. Der Zeitpunkt einer Fahrausbildung kommt allerdings für den Führerscheinbewerber nicht aus heiterem Himmel, sondern ist absehbar und planbar. Von daher kann für die finanziellen Mittel vorgesorgt werden. Sie können erspart, erarbeitet oder geliehen werden. Im Übrigen bekommen Eltern Kindergeld vom Staat in Höhe von € 259 pro Kind und Monat, das heißt im Jahr werden für ein Kind € 3.108 gezahlt. Allein dieses Geld würde schon für die Ausbildung reichen. Und wenn ich mir keine Fahrausbildung leisten kann, wie soll ich mir dann ein Auto sowie dessen Unterhalt leisten?
In diesem Zusammenhang sei noch anzumerken, dass der Wert einer qualitativ guten Ausbildung sich nicht nur monetär bewerten lässt, sondern auch als wichtiger Beitrag zur Verkehrssicherheit.
Kurzum: Einfach rausgehauene populistische Forderungen nach dem Motto „Die Führerscheinkosten müssen runter“ ohne Faktenkenntnis sind eine Frechheit und schaden unserem Berufsstand ohnegleichen. Und wie dann noch ehemalige Fahrschulinhaber, Funktionäre und manche Vertreter von Fahrlehrerausbildungsstätten diese sog. Reform verteidigen können, erschließt sich mir überhaupt nicht.
Für gut empfunden u kopiert.