13/02/2018
Ist Mobbing am Arbeitsplatz schon gesellschaftsfähig?
Die Grenzen vom Konflikt zum aktiven Mobbing sind in der Praxis oft fließend. Als Konfliktbegleiter stelle ich mir selbst oft die Frage: „Ist das noch normales Konfliktverhalten oder ist es bereits Mobbing?“ Selbst für erfahrene Konfliktmanager ist das nicht einfach zu durchschauen.
Ich erlebe oft, dass selbst sozial engagierte Personen zum Mobber werden, wenn sie sich im Konflikt befinden. Darauf angesprochen, sind diese sehr betroffen und entrüstet über diese Behauptungen. Wir alle schauen nicht gerne in den Spiegel um unsere dunkle Seite anzuschauen.
In jedem von uns steckt vermutlich eine Person die Rachegedanken hat, jemanden bewusst schaden möchte, ausgrenzen möchte, ja … weh tun möchte. Aber diese toxischen Gedanken „vergiften“ uns selbst und sind nicht nur für den Ge-mobbten zerstörerisch.
Der Begriff Mobbing ist momentan in aller Munde und wird meines Erachtens fast schon inflationär benutzt. Die Diagnose wird schnell gestellt, „das Kind hat einen Namen“, somit ist alles klar!
Aber leider ist es das nicht! Auch in Phasen des Konfliktes kommt es zu Verhaltensmustern wie beim Mobbing: Es werden Verbündete im Umfeld gesucht und auf die eigene Seite gezogen; der Gegner wird bewusst öffentlich lächerlich gemacht; es wird schlecht geredet; bis hin zu Tätlichkeiten wie Sachbeschädigung, Diskriminierung etc. Der Unterschied zum Mobbing ist: Die Aktivitäten finden nur auf einer Seite statt (Täter). Beim Konfliktverhalten gibt es in den meisten Fällen auf beiden Seiten Täter und Opfer.
Mobbing am Arbeitsplatz ist in Deutschland für sich genommen noch kein strafbares Delikt. Einzelne Mobbinghandlungen sind jedoch strafbar und können angezeigt werden. Aber für Betroffene ist kaum Aussicht auf Erfolg, da Arbeitgeber, obwohl sie eine Führsorgepflicht haben gerne wegsehen, bagatellisieren oder Mobber schützen aufgrund ihrer beruflichen Stellung.
Ich habe sogar Fälle, in denen Personen seit Jahrzehnten mit dieser Situation leben. Natürlich nicht ohne gesundheitliche Schäden, aber sie „ertragen“ ihr Leid und fügen sich ihrem Schicksal.
Ist es wirklich so, dass wir als Gesellschaft Mobbing bereits akzeptieren? Es kann wirklich jeden treffen – es gibt keine Kennzeichen für Opfer. Meine Klienten sind zum Teil sehr gebildet und sehr selbstbewusst und trotzdem Opfer von Mobbing. Wie kann das sein, dass uns das nichts angeht und wir lieber wegsehen?
Wir sind die Gesellschaft und es liegt an jedem Einzelnen von uns, wie wir mit Mobbing umgehen.
Kein Mensch muss sich solchen psychisch krankmachenden Arbeitsbedingungen aussetzen. Die Würde des Menschen ist unantastbar – so steht es im Grundgesetzt und dafür sollten wir Alle einstehen.
Konkret können Sie Folgendes tun:
• Unterstützen Sie Kollegen/innen, die gemobbt werden indem Sie zuhören und deutlich machen, dass Sie dieses Verhalten nicht mittragen
• Sprechen Sie Mobber in einem 4 Augengespräch auf ihr/sein Verhalten an und machen Sie deutlich, dass dieses Verhalten nicht akzeptabel ist
• Wehren Sie sich vor Mobbingangriffen und legen Sie schriftliche Beschwerde bei Ihrem Arbeitsgeber ein, denn er ist auf Grund seiner Führsorgepflicht verpflichtet Ihrer Beschwerde nachzugehen
• Suchen Sie sich Unterstützer in Familie, Freundeskreis, Kollegen/innen
• Suchen Sie sich professionelle Unterstützer (Coach) zur Konfliktbegleitung und Erarbeitung von Wegen aus der Mobbingfalle.
Mein Appell an Alle: Lassen Sie nicht zu, dass Mobbing salonfähig wird, sondern machen Sie deutlich, dass Mobber sich von der Gesellschaft isolieren und nicht umgekehrt die Gemobbten isoliert werden.
Brauchen Sie professionelle Hilfe, dann kontaktieren Sie mich:
PE- Werkstatt * Simone Stein
[email protected] * www.pe-werkstatt.com * +49 0179 9 093 526