06/06/2025
Persönlicher Nachruf für meinen "großen Bruder" Big / Jens Leistner
Fleisch ist mein Gemüse. Wie oft laß ich wohl diesen Spruch auf seinem Shirt, als er, wie so oft, hinten draußen am "Aschenbecher" beim Laden stand. Schmunzeln musste ich, ja, jedes Mal. Weil er eben so war und weil es eben so war, dass er lieber das eine als das andere aß.
Ein besonderer Mensch ist gegangen. Einfach so. Eben haben wir noch miteinander telefoniert. Einen neuen Helm wollte er haben. Der Alte wackelte nämlich "dischdisch aufm Nischel rum...schon ab ca. 160 km/h". Das ging natürlich nicht. Also suchten wir nach was Neuem. Aber dann...plötzlich ist alles anders... er lässt uns hier einfach so zurück. Ohne ein letztes Cheerio. Sein Cheerio. Sein Arreviderci und so weiter.
Es ist von mir der Versuch, an einen Menschen zu gedenken, der so oft für andere da war. Der sich selbst leider zu oft hinten anstellte. Er war Sohn, Bruder, Freund, Tourguide, Arbeitskollege, und so vieles mehr. Er führte mehrere Bikergruppen an, sperrte ab, riskierte alles dafür. Reiste für Arbeitgeber auf Montage in sämtliche Länder. Riesen Schaltschränke - für Big kein Problem, ganz im Gegenteil, absolut seine Welt! Ganz zu schweigen von seinen Kochkünsten. Biersteaks, Spaerribs, Kräuterkochschinken, Eintöpfen - diese sogar mit richtigem Gemüse!
Tierlieb war er. Oh ja... seine Kätzchen hatte er sehr gern. Kulinarisch hatten natürlich auch sie den Himmel auf Erden.
Vor ca 10 Jahren unternahm er eine größere Europatour mit der Haya. Da ging es ihm gut. Da war er in seinem Element. So paar 500 km am Tag "gehen schon". Hauptsache am Abend stand ein kühles Hülsenfruchtgetränk auf dem Tisch. Sein Navi hatte er im Kopf. Eine traditionelle, althergebrachte Straßenkarte schmückte seinen Tankrucksack. Er war noch einer der "alten Sorte". Keine Booking-Vorreservierungen, nein, spontan am Abend irgendwo absteigen. Eben das richtige Abenteuer. Und zur Not wurde halt auch mal im Schlafsack nebem dem Bike gepennt. Mit Feuerchen und Würstchen. Ging auch, bei warmen Temperaturen "war das sogar viel schöner".
Er wusste zu überleben. Nicht nur auf Reisen. Er war für mich ein absolut kluger Kopf. Er kannte sich in diversen Gebieten gut aus. Konnte Dinge reparieren, die schon ruiniert schienen. "Gib nur her, ich schau mal nach". Eine Woche später hatte man dann das jeweilige Gerät voll funktionstüchtig und wie neu vor der Tür stehen.
Viele beschrieben ihn mit dem Sprichwort "harte Schale, weicher Kern". Das stimmte zu hundert Prozent. Er war ein Beschützer. Für seine Familie, für unsere Familie, für mich. Nur sich selbst ließ er oft im Stich. Seine tiefe Treue und Ehrlichkeit machten ihn zu einem absolut feinen Menschen. Einer, der einen eben nie im Stich ließ, hat man ihn gebraucht. Einer, der irgendwie alles reparieren konnte. Einer, der sich eben die Zeit genommen hat, für andere. Zeit nehmen bedeutet im Umkehrschluss auch Zeit geben. Und er gab uns eine wundervolle Zeit mit ihm zusammen, voll mit lustigen und unvergesslichen Momenten.
Und "im Prinzip" ist es doch so...amol seh mor uns wiedor!!
Danke Big, Danke Jens
Deine "kleine Schwester" Theresa