01/07/2026
Gestern erreichte mich die traurige Nachricht vom Tod eines langjährigen Motorsportfreundes, Heinz Sievert.
Heinz war über Jahrzehnte eine prägende Persönlichkeit des Bergrennsports und des Nordhäuser MSC. Als Rennleiter des Kyffhäuser-Bergrennens, Organisator der Roland-Rallye und unermüdlicher Ehrenamtlicher hat er den Motorsport in unserer Region wie kaum ein anderer mitgestaltet. Viele Fahrer, Sportwarte und Helfer verbinden mit seinem Namen nicht nur perfekt organisierte Veranstaltungen, sondern auch einen feinen Menschen, auf den man sich jederzeit verlassen konnte.
Mit dem Tod von Heinz Sievert ist für mich nicht nur ein engagierter Motorsportkamerad von uns gegangen. Mit ihm geht auch wieder ein Stück Motorsportgeschichte.
Schon als Kind war ich in den 1980er Jahren mit meinem Vater beim Kyffhäuser-Bergrennen. Später durfte ich dort selbst starten. Und wenn mein Auto einmal nicht einsatzbereit war, stand ich als Sportwart der Streckensicherung an der Strecke. Der Motorsportclub Naumburg entsandte über viele Jahre Sportwarte zum Kyffhäuser-Bergrennen. Auch ich war viele Jahre Leiter der Streckensicherung im DMSB und bei zahlreichen Veranstaltungen im Einsatz – von Bergrennen bis zur Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft, der Tourenwagen-Weltmeisterschaft und der Superbike-WM.
Für mich war der Kyffhäuser die schönste Bergrennstrecke Deutschlands. 36 Kurven, der Höhenunterschied, der Wald – im Trockenen schnell, im Regen eine echte Herausforderung. Wer dort gefahren ist, wird diese Strecke nie vergessen.
Unvergessen bleibt für mich auch eine Streckenbegehung Mitte der 1980er Jahre mit dem legendären Streckensicherungschef Albert Gärtner. Er holte die Fahrer an die Hangkante, zeigte in die Tiefe und sagte mit seinem typischen Humor: „Jungs, habt da mal da runtergeschaut – das hört nimmer auf.“ Jeder verstand sofort, was er meinte. Es war ein Schmunzeln – und gleichzeitig eine der eindringlichsten Sicherheitsunterweisungen, die ich je erlebt habe.
Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, denke ich gar nicht zuerst an die wenigen Minuten auf der Strecke. An einem ganzen Rennwochenende saß man vielleicht insgesamt eine halbe Stunde im Auto. Die eigentliche Zeit verbrachte man im Fahrerlager: gemeinsam schrauben, fachsimpeln, helfen, lachen und warten. Genau dort entstanden Freundschaften, die ein Leben lang hielten.
Ich durfte viele großartige Strecken erleben: den Kyffhäuser, das Bergrennen am Iberg, Hauenstein, Eichenbühl, das Schleizer Bergrennen und viele mehr, auch das Schleizer Dreieck oder den Sachsenring bei historischen Veranstaltungen. Gleichzeitig schmerzt es, dass so viele traditionsreiche Rennen heute nicht mehr existieren. Kyffhäuser, das Schleizer Bergrennen, Trier, Alzey und viele andere sind verschwunden. Mit jeder eingestellten Veranstaltung geht ein Stück Motorsportkultur verloren.
Auch das Naumburger Weinbergrennen hat mein Leben über Jahrzehnte geprägt. Von 1977 bis 2010 durfte ich diese Veranstaltung miterleben und später auch mit organisieren. Deshalb weiß ich aus eigener Erfahrung, wie viel ehrenamtliche Arbeit, Herzblut und unzählige Stunden hinter einer solchen Veranstaltung stehen. Vieles davon bleibt für die Zuschauer unsichtbar.
Lieber Heinz, ich danke Dir für Deinen jahrzehntelangen Einsatz, Deine Verlässlichkeit und dafür, dass Du Generationen von Fahrern unvergessliche Motorsportmomente ermöglicht hast. Menschen wie Du waren das Rückgrat unseres Sports.
Und ich bin dankbar, dass ich Teil dieser besonderen Zeit sein durfte. Sie hat mein Leben geprägt und wird für mich immer unvergessen bleiben.
Ruhe in Frieden, Heinz.