21/05/2026
Diese Reform ist wirklich ein Meisterwerk
– man muss es erstmal schaffen, Verkehrssicherheit so konsequent gegen die Wand zu fahren und das Ganze dann auch noch als Fortschritt zu verkaufen. Das ist kein Schritt zurück, das ist ein Rückwärtsgang mit Vollgas.
Aber gut, ich habe meinen Frieden damit gemacht. Warum? Weil am Ende immer noch die Realität entscheidet – und die lässt sich nicht durch politische Wunschvorstellungen ersetzen. Da gibt es nämlich diese eine Kleinigkeit: die praktische Prüfung. Und die interessiert sich herzlich wenig dafür, wie schön die Reform auf dem Papier aussieht.
Ob jemand drei oder zwölf Sonderfahrten „offiziell“ absolviert hat, ist völlig egal. Entscheidend ist, ob er es kann. Und die Wahrheit ist: Schon heute haben viele massive Probleme mit grundlegenden Dingen wie dem Auffahren auf die Autobahn – trotz klarer Vorgaben und strukturierter Ausbildung. Aber klar, die logische Konsequenz daraus ist natürlich, genau diese Struktur weiter aufzuweichen. Klingt absolut durchdacht.
Dieses ständige Gerede von „Einsparungen“ ist dabei fast schon amüsant. Denn in der Praxis passiert genau das Gegenteil: Die Fahrschüler brauchen trotzdem ihre 30 bis 40 Fahrstunden – weil man Fahrkompetenz eben nicht per Verordnung kürzen kann. Man verschiebt das Problem nur nach hinten und verkauft es vorher als Effizienzgewinn. Ein klassischer Fall von: gut gemeint, schlecht gemacht.
Und dann die sogenannte Laienausbildung. Wirklich ein Highlight. Endlich dürfen Menschen ohne jede pädagogische Ausbildung und oft mit sehr begrenztem fachlichem Verständnis ihre Kinder „ausbilden“. Was soll da schon schiefgehen? Ein bisschen Halbwissen, eine Prise Selbstüberschätzung und dazu eine emotionale Bindung – perfekte Voraussetzungen für eine sachliche und sichere Ausbildung. Wird bestimmt großartig funktionieren. Zumindest bis zur ersten kritischen Situation. Danach wird es dann interessant: Wer trägt eigentlich die Verantwortung? Und noch viel wichtiger – wer zahlt, wenn es kracht?
Der Online-Unterricht setzt dem Ganzen dann die Krone auf. Noch mehr Theorie im Schnellformat, noch mehr Auswendiglernen ohne echtes Verständnis. Genau das, was wir im Straßenverkehr brauchen: Menschen, die Regeln aufsagen können, aber nicht wissen, wann und wie sie sie anwenden müssen. Aber hey – Hauptsache digital. Das klingt modern.
Unterm Strich wird hier eine klare Verschlechterung als Fortschritt verkauft. Weniger Struktur, weniger Qualität, mehr Unsicherheit – und das Ganze verpackt in wohlklingende Begriffe und vermeintliche Vereinfachungen. Die Realität auf der Straße wird sich davon allerdings wenig beeindrucken lassen.
Was mich wirklich beeindruckt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der solche Ideen von Politikern und Teilen der Fachverbände vertreten werden.
Da stellt sich ernsthaft die Frage:
Fehlt hier jegliche Praxisnähe – oder ist es schlicht egal, solange es auf dem Papier gut aussieht?
Fahrlehrer aus Sachsen