11/02/2026
Wenn Regeln sterben, sterben Menschen
Experimente auf Kosten der Verkehrssicherheit
Verkehrsminister Patrick Schnieder hat mit seinem Eckpunktepapier vom 16. Oktober 2025 der
schon seit Jahren geplanten und fast fertiggestellten Reform der Fahrausbildung in Deutschland
eine völlig neue Richtung gegeben.
Durch ihn und eine schnell eingerichtete, wohl mit Ja-Sagern besetzte Arbeitsgruppe, wird in Hoff-
nung auf Kostensenkung ein seit 1957 bestehendes regelbasiertes System der professionellen
Fahrausbildung zerstört.
In den Regelungen der Fahrschüler-Ausbildungsordnung spiegelt sich das Wertesystem unserer
Gesellschaft wider. Verantwortung für Leben, Gesundheit, Eigentum und Umwelt stehen an erster
Stelle und haben oberste Priorität. Wir, die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, halten an
diesen Werten fest! Denn: Leben ist nicht mit Geld zu bezahlen – Leben ist unbezahlbar!
Um unsere Meinung zu belegen, zeigen wir Ihnen hier einen Auszug aus der bestehenden Fahr-
schüler-Ausbildungsordnung. Festgelegt wird darin unter anderem, dass das Bestehen der Fahr-
prüfung in die zweite Reihe tritt. Vorrang haben unsere Werte! Nach Schnieders Reform, blieben
die nichtgestrichenen Textpassagen der Fahrschüler-Ausbildungsordnung übrig. Das zeigt, wie
schwach Schnieder agiert. Schwach nicht etwa, weil er die Werte unseres Zusammenlebens nicht
kennt, sondern schwach, weil er diese Werte nicht verteidigt!
Auf der Strecke bleiben unseres Erachtens dabei die folgenden Werte der Fahrschüler-Ausbil-
dungsordnung:
Ziel der Ausbildung ist die Befähigung zum sicheren, verantwortungsvollen und umweltbewuss-
ten Verkehrsteilnehmer.
Die Ausbildung hat ein Verkehrsverhalten zu vermitteln, das
1. Fähigkeiten und Fertigkeiten, um das Fahrzeug auch in schwierigen Verkehrssituationen
zu beherrschen,
2. Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Wahrnehmung und Kontrolle von Gefahren einschließ-
lich ihrer Vermeidung und Abwehr,
3. Wissen über die Auswirkungen von Fahrfehlern und eine realistische Selbsteinschät-
zung,
4. Bereitschaft und Fähigkeit zum rücksichtsvollen und partnerschaftlichen Verhalten und
das Bewusstsein für die Bedeutung von Emotionen beim Fahren und
5. Verantwortung für Leben und Gesundheit, Umwelt und Eigentum
einschließt.
Erhalten bleibt dann lediglich:
Ziel der Ausbildung ist außerdem die Vorbereitung auf die Fahrerlaubnisprüfung sowie Kenntnis,
Verständnis und Anwendung der Verkehrsvorschriften.
Schlussfolgerung: Als Mitglieder der ad hoc Arbeitsgruppe identifiziert die Bundesvereinigung
der Fahrlehrerverbände offensichtliche Ausbildungslaien und Ja-Sager, die Inhalte einer Fahr-
ausbildung ohne Ausbilderqualifikation und ohne wissenschaftliche Standards erstellen (lassen).
Durch mit Zahlen geführte falsche Vergleiche mit anderen Ländern verleiht die ad hoc Arbeits-
gruppe dem Mythos einer billigeren Fahrausbildung vermeintlich Legitimität. Verkehrsminister
Schnieder und sein Staatssekretär Hirte nutzen dann ihre Reichweite, um dieses Narrativ zu
verstärken. Das alles trägt dazu bei, dass die deutsche Fahrlehrerschaft weder zu Verkehrsmi-
nister Patrick Schnieder noch zu Staatssekretär Hirte Vertrauen hat, noch ihnen den Willen zu-
traut, die notwendige Reform gewissenhaft und verantwortungsbewusst umzusetzen.
Wir fordern Herrn Bundeskanzler Friedrich Merz unmissverständlich auf, diese personel-
len Besetzungen im Bundesverkehrsministerium sofort kritisch zu hinterfragen.
Außerdem appellieren wir an die Verkehrsminister der Länder, die Pläne des Ministers
fachkundig zu überprüfen.
BVF