Über Klaus Stemmler
1982 inszenierte Giorgio Strehler Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Die Produktion des berühmten Theaterregisseurs vermochte das Publikum zu begeistern – tief beeindruckt hat sie den jungen Fotografen Klaus Stemmler, der dort zu dieser Zeit als Beleuchter beschäftigt war. Zu seinen Aufgaben gehörte die Bedienung des so genannten „Kohl
ever-
folgers“, ein bewegliches Bühnenlicht, das Strehler eigens für die Umsetz-
die Umsetzung des Stückes hatte anmieten lassen. Nur mit Hilfe dieses Strahlers ließ sich jenes leicht flackernde, bläuliche Licht erzeugen, dass die Arbeit der Schauspieler dramatisch und auf den Punkt genau zur Geltung brachte. Die Mitarbeit an dem Stück vermittelte Stemmler einen bleibenden Ein- druck von den Möglichkeiten einer Inszenierung, die sich in gewisser Hinsicht auf den Bereich der Studiofotografie übertragen ließen. Jahre später wird er ein vergleichbares Punktlichtverfahren anwenden, um die Keksschachteln der Firma Bahlsen zu fotografieren. Der Einsatz der speziellen Bühnenlichtanlage bestätigte ihn in seinem Glauben an die Wirkungsmacht technischer Perfektion und lieferte ihm somit einen
Vorgeschmack davon, wie viel Verantwortung darin besteht, andere in Szene, respektive ins Licht zu setzen: Wörtlich übersetzt bedeutet auch der aus dem englischen stammende Begriff „Photography“ nichts anderes, als die Kunst „mit Licht zu malen“. Klaus Stemmler hat sich das Fotografieren durch Experimente mit alten Kameras, durch Bücher, Gespräche und die Arbeit im schuleigenen Labor
selbst beigebracht. So oft es ging, zoger los, um in der Ferne Landschaft und Architektur aufzunehmen. Schon als jugendlicher Amateurfotograf spielte das Beherrschender Technik für ihn dabei eine große Rolle. Früh war er sich auch der Bedeutung des Lichts für eine Aufnahme bewusst, stundenlanges Warten auf den richtigen Moment gehörte für ihn von Anfang an dazu. Von der Sache mehr und mehr begeistert und durch Erfahrungen mit anderen, professionellen Fotografen ermutigt, schließlich waren sie der lebende Beweis dafür, dass es Wege gab, die Leidenschaft zum Beruf zu machen, begibt sich Klaus Stemmler auf die Suche nach einem geeigneten Lehrmeister. Er findet ihn in Reinhart Wolf und beginnt seine Assistentszeit im Studio desgroßen deutschen Fotografen, berühmt für seine Werbeaufnahmen und großartige Architekturbildbände über New York und Barcelona. Von der 1988 nach seinem Tod gegründeten Reinhart-Wolf-Stiftung wird bis heute jedes Jahr der renommierte
Reinhart-Wolf-Preis an junge, talentierte Fotografen vergeben. Bei Wolf lernt Stemmler nicht nur, was es heißt, in technischer und somit auch konzeptioneller Hinsicht professionell zu fotografieren. Im Studio herrscht reger, kreativer Austausch: Er trifft dort auf zahlreiche,
berühmte Fotografen und Designer. Peter Schmidt, Jil Sander und Jürgen Scholz sind häufig zu Gast, genauso wie Helmut Newton, Hans Hansen und FC Gundlach. Nach vier erfahrungsreichen Jahren gründet Klaus Stemmler im Eppendorfer Weg sein eigenes Studio. Er spezialisiert sich erfolgreich
auf die Bereiche Advertising, Food, People, Stils und Architectural, wozu er seit Mitte der 90er Jahre auch die digitale Fotografie verwendet. Sein Interesse an technischen Neuerungen ist es auch, das ihn 1999 motiviert gemeinsam mit Victor Klassen, dieEinsatzmöglichkeiten der 360° Panoramafotografie zu erforschen. Es folgen zahlreiche Aufträge für die Automobilindustrie, unter anderem für Porsche und Mercedes AMG. Die beweglichen Rundansichten aus der Innen- bzw. Fahrerperspektive sind für diesen Bereich die optimale Darstellungsform. Auf diese Weise gelingt es dem begeisterten Motorsportfreund, ein zweites Mal berufliches mit frühen Leidenschaften zu verbinden. In seinem Studio setzt Klaus Stemmler die Tradition der praktischen Lehre fort, die seinen eigenen Weg bestimmt hat: Viele junge
Fotografen nehmen an den Produktionen teil und profitieren von seiner Erfahrung und seinem technischen Know-How. Aufträge wie die Moon
- und Daylight Panorama-Verfilmung einer Sunseeker-Yacht mögen dabei den ein oder anderen Beteiligten durchaus in gleicher Weise
beeindrucken, wie seinerzeit der Einsatz des Kohleverfolgers den jungen Beleuchter am Hamburger Schauspielhaus.