02/04/2024
So ist es, da schließe ich mich an.
Auto fahren mit Haut und Haaren
Immer mehr Menschen fallen bei der Führerscheinprüfung durch. KNITZ ahnt, woran das auch liegen könnte.
Neulich hat KNITZ in seiner Zeitung gelesen, dass immer mehr Menschen durch die Führerscheinprüfung rasseln.
Dass man bei der Fahrprüfung durchfällt, kann KNITZ nachvollziehen. Da mag immer was Unvorhergesehenes passieren. Bei ihm etwa tauchte plötzlich von rechts eine Vorfahrtsstraße auf. Einfach so. Ohne Vorwarnung. KNITZ hätte schwören können, dass die beim letzten Mal noch nicht da war.
Weil aber sein Fahrlehrer auf dem Beifahrersitz mit der Hand plötzlich komische Winkebewegungen machte (und zwar so, dass sie der Prüfer auf dem Rücksitz nicht sehen konnte), nahm KNITZ den Fuß vom Gas. Sonst wäre die Prüfung gelaufen gewesen.
Dass die Leute auch die theoretische Prüfung nicht bestehen, ist für KNITZ ein Rätsel. Darauf kann man lernen. Das dürfte doch kein Problem sein, zumal viele Prüflinge jung sind und im Büffeln noch eine gewisse Übung haben dürften.
Eine Erklärung für die hohe Durchfallquote ist, dass es „vielen Fahrschülern von heute am Verkehrsverständnis“ mangle. Der das sagt, heißt Jochen Klima und ist Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg. Herr Klima ahnt auch, woher das kommt: „Die sitzen von der Kita an hinten drin und werden irgendwo hingefahren – es ist ein passives im Verkehr mitfahren.“ Es wäre besser, rät der Oberfahrlehrer, die Eltern würden mehr Wege mit ihren Kindern zu Fuß bewältigen und ihnen dabei die Verkehrsregeln erklären.
Auch KNITZ verbrachte viele Jahre seiner Kindheit auf dem Rücksitz eines Autos. Der Vater war sein Chauffeur. Aber KNITZ würde das als „aktives Mitfahren“ bezeichnen.
Er hat schon früh begriffen: Zum Schalten muss man mit dem linken Fuß die Kupplung durchtreten. Geschaltet wurde anfangs mit einem Hebel rechts vom Lenkrad, es war eine Dreigangschaltung. Beim nächsten Model war der Hebel immer noch da, aber es standen schon vier Vorwärtsgänge zur Verfügung. In einer Lebensphase, in der die Beine von KNITZ nie und nimmer bis zu den Pedalen gereicht haben, hat er bereits gewusst, wie man ein Automobil bewegt.
Was die Sicherheit betrifft, war die Mitfahrgelegenheit im Fond aus heutiger Sicht natürlich eine Katastrophe: Es gab weder Gurte noch Kindersitze. Aber, und das ist ein nicht unwichtiger Unterschied: Es gab auch keine Ablenkungsmanöver. Der Wagen besaß weder einen Kassettenrekorder noch sonst ein technisches Gerät zur Bespaßung der kleinen Fahrgäste. Lesen oder Bücher anzuschauen kam für KNITZ nicht in Frage. Dabei wurde ihm übel.
Also blieb ihm gar nichts anders übrig, als den Herrn hinterm Lenkrad beim Chauffieren zu beobachten. Denn während der Fahrt ständig zu fragen „Wann sind wir endlich da?“, war auf Dauer fad.
Inzwischen scheint das Autofahren bei vielen Menschen zu einer Art Nebensache geworden zu sein. Selbst bei jenen hinterm Lenkrad. Da wird dem Smartphone mehr Aufmerksamkeit gewidmet als dem Verkehrsgeschehen. Das ist nicht nur gefährlich, sondern auch schade, findet KNITZ.
Denn fürs Autofahren gilt das, was für so viele Tätigkeiten im Leben zutrifft: So richtig Spaß machen sie nur, wenn man sich ihnen ganz und gar hingibt. Mit Haut und Haaren.