03/09/2026
1965 Ford Mustang Fastback: Amerikanischer Mythos, spanische Seele
Um den wahren Charakter dieses 1965er Mustangs zu verstehen, muss man den Architekten aus Burgos betrachten, der ihn vor dem Vergessen rettete. Julio Santamaría sah das Leben nicht als bloßes Dahingleiten; für ihn war es ein ständiger, von Begeisterung getriebener Ehrgeiz. In allem, was er anpackte – sei es Architektur, Familie oder Oldtimer –, gab er alles, ohne Rücksicht auf Verluste, mit höchster Hingabe und Leidenschaft.
Julio war Architekt mit einer Leidenschaft für die sorgfältige Restaurierung historischer Gebäude. Dieselbe Tugend übertrug er auf die Automobile. Für ihn war ein Oldtimer keine bloße Spielerei oder ein bürgerliches Statussymbol für Sonntagnachmittage; er war ein historisches Dokument an sich, ein Zeuge seiner Zeit, der lakribische Pflege und ein Bewusstsein für den Erhalt verdiente.
Es war 1996, als das Schicksal Julio und den Fastback zusammenführte. Nach jahrelanger Suche erreichte den Architekten ein glücklicher Zufall aus dem Süden: In einer staubigen Ecke Andalusiens wartete ein 1965er Modell auf seine letzte Reise, starrte hoffnungslos in den gähnenden Abgrund eines Schrottplatzes.
Was folgte, war ein über vier Jahre andauernder Kampf. Heute, wo jedes Ersatzteil mit wenigen Klicks und einer Zahlung über ein Online-Portal gefunden werden kann, ist das Ausmaß dieses Unterfangens kaum noch vorstellbar. In den Neunzigern erforderte die Wiederbelebung einer amerikanischen Ikone auf der Iberischen Halbinsel Geduld und ein Netzwerk von Helfern.
Die Nachmittage in der traditionellen Bar in Miranda de Ebro wurden zum innersten Kreis einer weltlichen Bruderschaft. Umgeben von englischsprachigen Teilezeichnungen, dampfendem Kaffee, Briefen aus Übersee und in Katalogen gesuchten Ersatzteilen, verbrachten Julio und seine Freunde die Stunden in vollen Zügen. Es ging nicht um Individualisierung oder Modernisierung; das Prinzip war absolute Perfektion. Jede Schraube, jedes Zierteil, jede Nuance der Polsterung und jedes technische Detail musste exakt den Originalplänen aus Dearborn entsprechen.
Victor Piccione ist Ehrenmitglied des Mustang Club Spanien und der Spanischen Ford Mustang Vereinigung
Das Engagement dieser Enthusiasten ging weit über die bloße Restaurierung einzelner Fahrzeuge hinaus. Aus ihnen entstand 2002 der Mustang Club of Spain, eine gemeinnützige Organisation, die zum Erhalt des Andenkens an den legendären Pony Car gegründet wurde. Ein Club, der heute eine erlesene Sammlung historischer Fahrzeuge vereint, dessen Wurzeln aber in jenen Werkstätten liegen, in denen der Geruch von verbranntem Öl mit hitzigen Debatten über Vergaser wetteiferte.
Santamarías Vorliebe für Geschwindigkeit trieb ihn zu noch größeren Ambitionen. Wer ihn kannte, erinnert sich noch gut an sein Leuchten in den Augen, wenn er von seinen Tagen am Steuer des Mustang bei der Rallye Monte Carlo Historique erzählte, wie er die amerikanische Maschine auf den eisigen Felsplatten der Alpenpässe zähmte und steile Abhänge und Stoppuhren trotzte. Oder an seine ebenso gefeierte Teilnahme an den legendären 24 Stunden von Le Mans Classic , wo er die Grenzen der Rennwagen auf dem Circuit de la Sarthe auslotete – einem Ort, an dem Geschichte geschrieben wird.
In Julios Garage standen noch weitere Autos, die durch seine fachmännischen Hände gingen, doch keines erreichte je den Status eines Spiegels seiner Seele wie dieser '65er Fastback. Dieses Auto war er selbst: elegant, kraftvoll, klassisch in der Form und mit einem explosiven Kern.
Leider wurde Julio Santamaría im Jahr 2022 im Alter von nur 67 Jahren durch die unerbittliche COVID-19-Pandemie jäh aus dem Leben gerissen. Der Mann ist nicht mehr da, doch sein Werk bleibt. Das gedämpfte Dröhnen des Motors, der makellose Glanz seiner Karosserie und vor allem das moralische Zeugnis einer besonderen Lebensauffassung bleiben bestehen.
Heute ist es sein Sohn Sergio, der mit derselben Hingabe die Zügel in der Hand hält und das Lenkrad umklammert. Er führt stolz die Ponykarawanen bei der jährlichen Ausfahrt des Clubs an und erzählt jedem, der die Maschine bewundert, voller Begeisterung von den Leistungen seines Vaters. Denn manche Legenden sterben nie; sie wechseln lediglich den Besitzer und halten so den Funken der Geschichte auf dem Asphalt am Leben.
Technisches Datenblatt: Ford Mustang Fastback 289 V8 Automatik (1965–1967)
Modell: Mustang Fastback (2+2)
Produktionsjahre: 1965 – 1967
Motor: Small-Block Windsor V8 mit Vierfachvergaser
Hubraum: 289 Kubikzoll (4.727 cm³)
Maximale Leistung (SAE): 225 PS bei 4.800 U/min
Maximales Drehmoment: 414 Nm bei 3.200 U/min
Automatisches Cruise-O-Matic 3-Gang Wandlergetriebe
Länge: 4.613 mm, Breite: 1.735 mm, Höhe: 1300 mm, Radstand: 2.743 mm
Leergewicht: ca. 1.250 kg - 1.320 kg
Kraftstofftankinhalt: 60,6 Liter
Doppelquerlenkerachse mit Schraubenfedern und hydraulischen Stoßdämpfern vorm
Starre Hinterachse mit längs verlaufenden, halbelliptischen Blattfedern.
Hydraulische Trommelbremsen an allen Rädern serienmäßig (vorn Scheibenbremsen optional).
Lenkung: Kugelumlauf.
Originalbereifung: 6,95 x 14 mit 14-Zoll 5-Loch Stahlfelgen
Höchstgeschwindigkeit: ca. 190 km/h
Beschleunigung (0 - 100 km/h): ca. 7,6 - 8,5 Sekunden
Bildnachweis: Enrique Brooking